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Bd. 3: Der deutsche Landkrieg, Dritter Teil:
Vom Winter 1916/17 bis zum Kriegsende

Kapitel 9: Die Schlußkämpfe an der Westfront,
August bis Oktober 1918
  (Forts.)

General der Infanterie Hans v. Zwehl

4. Der große Schlußangriff des Marschalls Foch.

Einleitung.

In der zweiten Hälfte des September schien sich die allgemeine Lage an der deutschen Westfront wieder zu befestigen, eine Rückkehr zu dem Stellungskriege ohne plötzliche Entscheidungen einzutreten. Am 18. September hatten zwar die Engländer in der Gegend von Havrincourt8 durch Entfaltung zahlreicher frischer Divisionen einen örtlichen Erfolg erringen, in einem Stück der Siegfried-Stellung festen Fuß fassen können, in den nächsten Tagen wurden aber die Angriffe nicht fortgesetzt. Auch bei St. Quentin, wo zwar kleinere Kämpfe nicht aufhörten, bei denen die schöne Stadt vollends in Trümmer ging, entstand eine Pause in den Großkämpfen. Zwischen Aisne und Aillette griffen die Alliierten zwar mehrfach, aber erfolglos an. Im Raume östlich Reims und in dem Höhengelände nördlich Prosnes, sowie an der Front Souain - Massiges schienen die Alliierten mit den Vorbereitungen zu einem größeren Angriff beschäftigt. Zwischen den Argonnen und der Maas herrschte völlige Ruhe, und die deutsche Oberste Heeresleitung rechnete dort mit keinen Unternehmungen des Gegners. Dagegen glaubte sie solche zwischen Maas und Mosel annehmen zu können. Dabei konnte möglicherweise ein Übergreifen auf die Front zwischen Mosel und Seille erfolgen. An der Vogesenfront und im Sundgau ließ sich eine Entspannung der Lage durch Fortziehen verschiedener Verbände des Gegners erkennen. Mancherlei Meldungen, daß die Engländer eine Flottenunternehmung gegen die belgische Küste planten, daß die Sperrversuche gegen die deutsche Unterseebootsbasis bei Zeebrügge geplant sein könnten oder daß zur Bedrohung der rechten deutschen Heeresflanke in Flandern Landungsversuche bevorstünden, maß die Oberste Heeresleitung zu dieser Zeit keine Bedeutung bei. (Siehe S. 526.)

Im ganzen ließen sich über die gegnerischen Absichten keine klaren Anschauungen gewinnen, wie es nach der ganzen Lage, nachdem die taktische wie operative Vorhand verloren war, auch nicht anders sein konnte.

[569] Auf deutscher Seite wurden die Schwierigkeiten einer Abwehr der zahlenmäßig stark überlegenen gegnerischen Kräfte keineswegs unterschätzt. Mitte September ergingen deshalb Anordnungen, rückwärtige Stellungen hinter der Kampffront auszubauen. Vor allem sollte eine starke Stellung zwischen der holländischen Grenze nördlich Gent auf Tournai,9 mit einer vorgeschobenen Linie an der Lys als Gent - Hermann-Stellung errichtet werden. Von Tournai zog sie sich über Condé - Le Cateau auf Guise und von da südöstlich umbiegend auf südlich Marle - Rethel - Vouziers als Hunding - Brunhild-Stellung nach der Maas in der Gegend von Consenvoye. Eine besondere Wichtigkeit wurde der Antwerpen - Maas-Stellung von Antwerpen über Alost - Charleroi - Charleville - Sedan und dann weiter dem Laufe der Maas folgend beigemessen. Diese großen Arbeiten wären nur beim Vorhandensein starker Arbeitermassen, reichlichem Baugerät und Baustoffen in längerer Zeit zu leisten gewesen. Es wurden auch besondere Baustäbe aus der Kampffront gezogen; da aber übrigens alles andere fehlte, kam es zu wenig mehr als Erkundungen und Linienführungen auf der Karte. Die Arbeiter hätten, wenn sie frühzeitig aus dem Osten und der Heimat herangezogen worden wären, vielleicht etwas leisten können. Der Heranziehung aus Rußland standen aber andere Notwendigkeiten entgegen: Aus der Ukraine Getreide, Futtermittel und Vieh herauszuziehen, was nur bei angemessener Besetzung möglich war. Ob in dieser Hinsicht zwischen den harten Forderungen der Kriegslage im Westen und der Erfüllung von Wünschen namentlich seitens Österreichs im Osten immer die richtige Wahl getroffen ist, wird eine kaum zu entscheidende Frage bleiben. Jedenfalls konnte in der verfügbaren Zeit und bei den beschränkten Mitteln im Stellungsbau nichts Wesentliches geleistet werden. Schließlich war noch eine sogenannte "Grenzstellung" zwischen der holländisch-preußischen Grenze am Maastrichtzipfel über Luxemburg - Metz an die lothringische Front vorgesehen, die eine Rolle aber nicht mehr gespielt hat.

Für den Marschall Foch war der Augenblick der Durchführung einer großen, den Krieg entscheidenden Offensive auf der ganzen deutschen Front von Verdun bis zum Meere gekommen. Die allgemeine Gliederung seiner Armeen war folgende:

Auf dem Nordflügel, Dixmuiden gegenüber, standen die belgischen Divisionen unter General Gillain, im Laufe der Kämpfe trat die 6. französische Armee unter Degoutte hinzu. Südlich anschließend folgte die 2. englische unter General Plumer bei Ypern - Bailleul, die 5. englische unter dem General Birdwod bei Estaires, die 1. unter General Home zwischen Béthune und Arras, die 3. unter General Byng bei Bapaume und die 4. englische unter General Rawlinson beiderseits Péronne. So weit die belgisch-englisch-französische Front, an die sich die französische südwärts der Somme anschloß, mit der 1. französischen [570] Armee Debeney bei Roy, der 3. französischen Armee Humbert mit einer schmalen Front bei Noyon, der 10. französischen Armee Mangin bei Soissons, der 5. französischen Armee Berthelot, später Guillaumat, zwischen Fismes und Reims, die 4. französische Armee Gouraud an der Champagnefront und schließlich bei Verdun die in der Hauptsache aus Amerikanern bestehende Armee des Generals Pershing. Als Heeresgruppenführer der Engländer war nach wie vor der General Haig tätig, die französischen Armeen des linken Flügels bildeten die Heeresgruppe Fayolle, diejenigen des rechten Flügels die Gruppe Maistre. An der zunächst bei den großen Kämpfen wenig beteiligten Vogesenfront befanden sich die 8. französische Armee Gérard und die 7. französische Armee Baucheron de Boissoudy, mit dem Heeresgruppenführer General de Castelnau. Überall bestand engste Fühlung der sich gegenüberstehende Parteien. Auf die schwachen, in die französisch-englischen Truppen eingegliederten italienischen Truppen braucht nicht näher eingegangen zu werden, da sie keine erhebliche Rolle bei den Kämpfen gespielt haben. Über die portugiesischen Truppen fehlten in diesem Stadium des Krieges nähere Nachrichten. Sie scheinen nach der Niederlage am 9. April bei Armentières 1918 entweder ganz zurückgezogen oder an einer unwichtigen Stelle der Front verwendet worden zu sein.

Trotz der Erfolge im Juli und August und der sich immer mehr entwickelnden amerikanischen Hilfe waren die Ententemächte keineswegs überall unbedingt bereit, die große Offensive in der zweiten Hälfte des September fortzusetzen. Namentlich in England hielt man die deutsche Widerstandskraft noch keineswegs für gebrochen,10 die Infanterie hätte zwar in ihrer Angriffsfähigkeit gelitten, die Unterführer zeigten sich weniger gewandt, aber Maschinengewehre und Artillerie leisteten noch immer Vorzügliches. - Da die Amerikaner noch in der Ausbildung zurück, in der Verwendung größerer Massen ungewandt waren, erwog das englische Kriegskabinett, ob es nicht vorteilhafter wäre, einen großen, allgemeinen Angriff und damit die Entscheidung des Krieges bis zum Frühjahr 1919 hinauszuschieben. Dabei mag die Hoffnung mitgesprochen haben, daß Deutschland dann im Innern zusammenbrechen werde. England scheint also über die Lage in Deutschland besser unterrichtet gewesen zu sein, auch den Zusammenbruch Österreichs, Bulgariens und der Türkei vorausgesehen zu haben, hatte auch keine große Lust die schweren Verluste des Jahres 1917 in Flandern und in der Pikardie von neuem auf sich zu nehmen.

General Haig scheint sich diesen Gedankengängen nicht angeschlossen, die alsbaldige Fortsetzung des Angriffs gewünscht zu haben, was vor allem militärisch gerechtfertigt war. Es kam für die Alliierten darauf an, den Gegner nicht zur Ruhe kommen zu lassen, den bei ihm nach zwei verlustreichen großen Kämpfen eingetretenen Kräfterückgang auszunutzen. Ferner war nicht zu übersehen, ob sich im Laufe eines halben Jahres und mehr nichts in politischer Hinsicht ändern, [571] die in Frankreich nur mühsam unter den Aussichten der amerikanischen Hilfe aufrechterhaltene Kampflust verflüchtigen würde.

Die gegen Ende September beginnende große Schlacht setzte sich zwar aus in inniger Wechselwirkung stehenden Kämpfen auf den verschiedenen Teilen der Front zusammen, aber sie lassen sich, vom rechten Flügel der Entente beginnend, gliedern in solche zwischen der Maas-, der Argonnen- und Champagnefront, den Angriffen auf die Siegfried-Stellung und schließlich die Kämpfe in Flandern, Nordbelgien, Ypern und gegen die 4. deutsche Armee.


Die Kämpfe an der Maas-, Argonnen- und Champagnefront.11

Im September hielt der Zustrom der amerikanischen Truppen unvermindert an. Es wurden täglich 6000 bis 8000 Mann von den französischen Ausschiffungshäfen mit rund 20 000 Tons Material in das Innere Frankreichs oder an die Front befördert. Dieser Kräftezuschuß in Verbindung mit dem Erfolg von St. Mihiel ermöglichte die Zuweisung eines erheblich größeren Operationsgebietes. Den Amerikanern fiel zunächst der Angriff bei Verdun, und zwar von der Maas bis westlich durch die Argonnen zu. Er begann am 26. September, während die Franzosen gleichzeitig westlich der Argonnen zum Angriff schritten.

Bei dieser Anlage der Schlacht auf dem rechten Flügel ihrer Kampffront mag für die französische Heeresleitung der Gedanke bestimmend gewesen sein, daß durch die Amerikaner eine Durchschneidung der deutschen rückwärtigen Verbindungen erzielt werden könnte, wenn es auf den alten Schlachtfeldern in der Champagne nicht gelingen sollte, schnelle Erfolge zu erzielen, sondern höchstens ein mühsames, ganz allmähliches Zurückdrücken der Deutschen, wie bei den Angriffen im August, zustande käme. Es war also den Amerikanern die Hauptarbeit auf dem wichtigen rechten Flügel der Alliierten zugewiesen. Auch die vergeblichen Anstrengungen der früheren Jahre, in der Champagne die deutsche Front zu durchbrechen, wiesen auf diesen Weg. Weshalb aber nicht schon früher ein großer Angriff aus Verdun heraus geführt wurde, um von dort die wichtige deutsche Verbindungslinie aus Metz - Diedenhofen mit ihren Verzweigungen abzuklemmen, das Plateau von Briey wiederzugewinnen, ist nicht klar geworden. Vielleicht haben dunkle Vorstellungen und Erinnerungen an die verhängnisvollen Ereignisse von Metz im Jahre 1870 dabei eine Rolle gespielt.

Die amerikanischen Kräfte wurden zwischen der Maas und den ausgedehnten Waldgebieten der Argonnen unter Führung Pershings bereitgestellt. Zum Teil waren sie schon in den Kämpfen bei St. Mihiel verwendet, dort aber jetzt entbehrlich, zum anderen Teil waren es frisch eingetroffene Verstärkungen. - Pershing hatte die Vorbereitungen für seine neue Aufgabe gleichzeitig mit derjenigen bei St. Mihiel begonnen und, nachdem diese am 12. September gelöst, [572] ergänzt. Er hatte eine Division auf dem rechten Maas-Ufer an der Côte de Talou, anschließend auf dem linken (östlichen) Ufer bis zum Westrand der Argonnen elf seiner starken Divisionen in erster Linie entwickelt. Dahinter standen als verwendungsbereite Reserven noch drei frische Divisionen. - Die Ausstattung mit Artillerie war sehr reichlich. Außer den in den Abschnitten von Verdun, an der Maas, an der Aire und weiter westlich in Batterie befindlichen 340 Geschützen schweren Kalibers und 40 Eisenbahngeschützen von 30,5 cm bis 40 cm hatten die Amerikaner in ihren Korps- und Divisionsartillerien noch rund 2400 Geschütze, davon über die Hälfte schweren Kalibers, die Grabenkanonen und Grabenmörser ungerechnet. Zur Abgabe von Sperrfeuer oder systematischer Beschießung der gegnerischen Linien wären auf jedes Geschütz, eine gleichmäßige Feuerverteilung angenommen, also nur 10 m Breite, bei der zugewiesenen Front von rund 24 km Ausdehnung gekommen. Diese reichliche Ausstattung mit Artillerie war durch Abgaben von den östlich und südöstlich anschließenden Verbänden erzielt worden, was aber nicht hinderte, mit den dort verbliebenen Geschützen beim Beginn der Schlacht ein starkes Feuer aufzumachen. - Die zur Durchführung des Kampfes bestimmten amerikanischen Divisionen erster Linie, soweit sie nicht schon vorher eingesetzt gewesen waren, erschienen erst in der Nacht vor dem Angriff in ihren Stellungen, bis dahin hatten die Franzosen in ihren anders gefärbten Uniformen die Besetzung behalten; man wollte vermeiden, daß die Verwendung der Amerikaner an dieser Stelle vorzeitig bekannt wurde.

Westlich anschließend griff die 4. französische Armee unter Gouraud mit schätzungsweise 40 Divisionen bis zur Suippes an, wodurch sich die Kampffront auf 70 km erweiterte.

Über die Dauer des vorbereitenden Artilleriefeuers hatte der französische Oberbefehlshaber keine Bestimmungen getroffen, in der Annahme, daß bei der Ausdehnung des Schlachtfeldes keine einheitlichen Festsetzungen angezeigt wären. Gouraud befahl ein Vorbereitungsschießen von sechs Stunden, Pershing wollte sich mit drei Stunden begnügen, ließ aber auch seinen Unterbefehlshabern freiere Hand. Nach deutschen Angaben soll das Feuer etwa zehn Stunden lang mit großer Heftigkeit an den meisten Stellen angehalten haben, ehe der Infanterieangriff einsetzte.

Wie schwierig es manchmal, wenn nicht besondere glückliche Zufälle helfen, ist, in die gegnerischen Absichten einzudringen, beweist, daß die deutsche Oberste Heeresleitung an dieser Front nur drei bis vier amerikanische Divisionen vermutete. Die Folge davon war, daß der Angriff die deutsche 5. Armee und das linke Flügelkorps der 3. Armee wenn auch nicht unvorbereitet, so doch überraschend traf. Die Amerikaner waren namentlich von vornherein in der vordersten Linie stark überlegen, denn es gelang auf deutscher Seite erst am zweiten Kampftage, dem 27. September, zwischen der Aire und der Maas sieben [573] zum Teil schwache Divisionen einzusetzen; auch wurde es schon damals und in der Folge noch mehr nötig, die eintreffenden Verstärkungen tropfenweise in die schon stark bedrängte Front einzuschieben.

Am Morgen des 26. September drangen die Amerikaner nach hartem, wechselvollem Kampfe in die deutsche Hauptwiderstandslinie ein, bemächtigten sich der ausgedehnten Waldstücke von Cheppy - Avocourt - Malancourt, überschritten den Forges-Bach und gewannen die allgemeine Linie Jory - Montfaucon - Dannevoux. Vorwärts davon blieben nur wenige Maschinengewehrnester noch in deutschem Besitz. Gegenstöße, von Nautillois und Vilosnes sur Meuse aus geführt, verliefen erfolglos. Kleinere Ablenkungs- und Täuschungsangriffe hatten die Amerikaner gleichzeitig auf dem Ostufer der Maas geführt. Hier wurde aber überall die deutsche Front gehalten, auch diejenige der 1. k. u. k. österr. Division bei Brabant und Haumont. Am 27. und 28. September drückten die Amerikaner westlich der Maas weiter vor, so daß am Abend dieses Tages die Deutschen bis auf die ungefähre Linie Cierges - Brieulles an der Maas zurückgedrängt waren.

Westlich der Argonnen konnte Gouraud gegen die deutsche 3. Armee (die östlichere) und die 1. Armee (die westlichere) ähnliche Erfolge nicht erringen. Der bevorstehende Angriff war, wenn auch über den Zeitpunkt des Beginns keine Klarheit bei den Deutschen bestand, in allen Vorbereitungen erkannt. Die Stellungen waren in jahrelanger Arbeit und in mehreren Linien hintereinander ausgebaut. Trotzdem verlor allerdings die 3. Armee auf ihrem linken Flügel unter dem Druck starker Tankmassen und von Fliegerschwärmen etwas Gelände vor der Hauptwiderstandslinie und wich bis in die Gegend von Ripont und darüber hinaus etwa 1 - 2 km zurück. Bei der 1. Armee konnte aber selbst das Vorfeld behauptet werden. Die westlich anschließende 7. Armee leistete an die übrigen Armeen erhebliche Abgaben; sie wäre deshalb nicht imstande gewesen, einen Großangriff mit Aussicht auf Erfolg anzunehmen, und wurde hinter die Aisne zurückgenommen.

Während der nächsten Tage gingen die Kämpfe auf der ganzen Front von der Maas bis über Reims hinaus mit ununterbrochener Heftigkeit weiter. Ende September entstand bei den Amerikanern eine Kampfpause, die aber schon am 4. Oktober endete. Bis zum 10. Oktober brachten sie den ganzen Argonnerwald in ihren Besitz und schoben den linken Flügel bis in die Gegend vor, wo die Aire sich in die Aisne ergießt. Weiter westlich bemühten sich die Franzosen aber vergebens, bei Monthois vorzudringen und die Waldzone von Somme Py zu durchschreiten. - Längs des Westufers der Maas hatten die Amerikaner keine schnelleren Fortschritte gemacht; es wird dabei das vom Ostufer eingreifende Flankenfeuer der Deutschen eine Rolle gespielt haben. - Am 8. Oktober begann aber auch auf dem Ostufer der Maas der amerikanische Angriff. Nach einstündigem schlagartig einsetzenden Artilleriefeuer von der Maas bis zum Walde von Wavrille begann um 6 Uhr der Angriff, der die 1. k. u. k. Infanterie- [574] Truppendivision durchbrach. Es gelang, das Vordringen in einer rückwärtigen Stellung bei der Kronprinzenhöhe aufzufangen, sie ging aber am folgenden Tage verloren, wodurch allerdings eine Ausschaltung des flankierenden Feuers vom rechten Maas-Ufer noch nicht vollständig erreicht wurde. Die Lage blieb aber für die Deutschen im hohen Grade gespannt.

Die 4. französische Armee verfolgte neben der allgemeinen Aufgabe der Zurückwerfung des Gegners den weiteren Zweck, das deutsche Stellungsgebiet in dem Höhengelände von Moronvilliers östlich Reims zu isolieren, von Osten her zu bedrohen. Der Angreifer konnte hier andauernd frische Divisionen in das Gefecht bringen, immer wieder von starken Artilleriemassen, Tankgeschwadern und zahlreichen Fliegern unterstützt. Es wurde nach wie vor der linke Flügel der 1. und die ganze 3. Armee, namentlich diese, berannt. Wenn hier der deutsche Widerstand im wesentlichen nach wie vor ungebrochen blieb, so war das wiederum dem planmäßigen Ausbau starker Stellungen in dem seit vier Jahren so oft umstrittenen Gelände zu danken. Aber schließlich war es doch unmöglich, überall eine festgegliederte zusammenhängende Kampflinie zu erhalten, oft bildeten nur einzelne Maschinengewehrnester das Gerippe, an dem die französischen Angriffe zerschellten. Hatte diese schließlich das gegnerische Artilleriefeuer zerschlagen, und war dem Angreifer das Gelände überlassen, so fehlte es an genügenden frischen Verbänden, um zu den damals als das Abwehrmittel angewendeten Gegenstößen und Gegenangriffen zu schreiten.

Das alles hätte aber noch nicht zu einer rückwärtigen Bewegung in der Champagne gezwungen, sondern hauptsächlich erforderte es die Lage an der Argonnerfront und östlich davon bis zur Maas, wo die Amerikaner mit ihrer überlegenen Kraft die deutsche 5. Armee und die Divisionen beiderseits des Flusses bedrängten, und wo nicht abzusehen war, ob es dort den immer mehr sich verzehrenden Divisionen gelänge, noch lange Widerstand zu leisten. Es wäre damit die Gefahr entstanden, daß der Rückzug in die Antwerpen - Maas-Stellung unmöglich werden konnte. Die Heeresgruppe Deutscher Kronprinz mußte deshalb einschließlich der ihr wieder zugeteilten 18. Armee (s. S. 578) unter einer Rückwärtsschwenkung am 9. Oktober in die Stellung hinter der Aisne, die sogenannte Brunhild-Stellung (s. S. 569), Dercy - Sissonne - Rethel - Semuy, auf Grand-Pré zurückschwenken. Auch diese schwierige Rückzugsbewegung vollzog sich, vom Gegner wenig belästigt, in mehreren Sprüngen. Der von dem Angreifer damit erzielte große Erfolg war ganz wesentlich dem Vorrücken der Amerikaner an der Maas zuzuschreiben. Durch die dortigen Kämpfe wurde die deutsche Champagnefront recht eigentlich aus den Angeln gehoben. Der deutsche Kronprinz, als Heeresgruppenführer, konnte mit Recht in einem Befehl betonen, daß an dem Widerstande der 3. Armee der gegnerische Angriff unter schwersten Verlusten des Feindes gescheitert wäre, und daß nur die allgemeine Kriegslage dazu zwänge, in eine rückwärtige Linie zurückzugehen.

[575] Am 9. Oktober gingen die Kämpfe auf beiden Maas-Ufern in ungebrochener Heftigkeit weiter. Besonders bedrohlich wurden die starken amerikanischen Angriffe zwischen dem Ostufer der Maas bis nach Etraye trotz einiger dort eingesetzter deutscher Reserven. Überall konnten zwar begrenzte deutsche Gegenstöße angesetzt und dabei örtliche Vorteile errungen werden, aber das genügte nicht, um dem übermächtigen Gegner endgültig halt zu gebieten. Ein dringender Antrag des Generals v. Gallwitz an die Oberste Heeresleitung, ihm von anderen Fronten Verstärkungen zuzuführen, konnte nicht sogleich erfüllt werden. General v. Gallwitz betonte, wie sich bald als zutreffend erwies, die auf dem östlichen Maas-Ufer drohenden Gefahren. Der Schwerpunkt der Angriffe läge noch auf dem Westufer der Maas, aber der Gegner hätte mit Recht das Streben, aus seiner beengten Lage in dem Dreieck Sivry - Caures-Wald - Samogneux herauszukommen und sich durch Gewinnung der Linie Chaumont - Flabas die Grundlage für weiteres Vorgehen in nordöstlicher Richtung zu schaffen. Es wäre eine Verstärkung der feindlichen schweren Artillerie, der Luftstreitkräfte, Flughäfen, Munitionslager beiderseits der Maas zu erkennen. Außerdem hielt die Heeresgruppe Gallwitz dafür, daß die für die gegnerischen Angriffe günstigste Richtung gegen die Linie Longuyon - Briey ginge, daß die Armee-Abteilung C einem solchen Angriff in keiner Weise gewachsen wäre. Vom 11. Oktober ab trafen aber Teile der 3. Garde-Infanterie-Division, der 15. bayerischen Infanterie-Division, der 1. Landwehr-Division und der 224. Infanterie-Division ein, so daß die Lage beiderseits der Maas etwas entspannt erschien. Auf diese Zeit scheint sich eine Bemerkung des Berichts vom General Pershing, in dem er die langsamen Fortschritte seines Angriffs begründet, zu beziehen. Er weist darauf hin, daß die deutsche Führung mehr und mehr erstklassige Divisionen ihm gegenüber einsetze, daß die Verwendung der Maschinengewehre und ihre Bedienung durch die ausgezeichneten Veteranen großartig sei. Er betont auch, daß Deutschland keine demoralisierten Truppen hätte. Leider waren damals keine erstklassigen Divisionen im Sinne einer früheren Zeit vorhanden. Pershings Urteil läßt nur erkennen, daß die wenigen noch vorhandene Offiziere und Mannschaften in großartiger Weise ihre Schuldigkeit taten und den ungeübten, zwar schneidig vorstürmenden, aber dem deutschen Soldaten nicht gewachsenen Amerikanern schwere Verluste beigebracht hatten.

Wochenlang, bis zum Ende des Monats Oktober, gingen die Kämpfe beiderseits der Maas ohne größere Entscheidungen weiter, aber im allmählichen Zurückdrängen der Deutschen. Erst Anfang November gewannen die Amerikaner die allgemeine Linie Buzancy - Barricourt, nordwestlich von Dun an der Maas. Auf dem Ostufer drangen sie nur bis nördlich Vilosnes an der Maas - Réville vor. Am 4. und 5. November begannen die Übergangsversuche der Amerikaner über die Maas, am 4. ein kleinerer bei Cléry le Petit (südlich Dun), der abgewiesen wurde, am 5. ein größerer bei Vilosnes und Milly devant Dun. Unter dem [576] Schutze starken Artilleriefeuers und künstlicher Vernebelung gelang es, Infanterie über den Fluß zu bringen und gegen Osten Gelände zu gewinnen. Deutsche Gegenstöße konnten das Ostufer trotz einiger Erfolge nicht mehr vom Gegner säubern. In den folgenden Tagen bildete sich hier unter fortwährenden heftigen Kämpfen, die die Amerikaner durch andauernden Nachschub frischer Kräfte nährten und mit starker Artillerie unterstützen konnten, eine neue Kampffront zwischen Milly devant Dun - Murvaux - Fontaines - Réville. Sie mußte aber schon unter dem Druck des Gegners und da die noch zu erörternde (s. S. 589) allgemeine rückgängige Bewegung hinter die Maas im Laufen war, am 8. November bis in die Linie Stenay - Baalon - Louppy - Jametz zurückgenommen werden. Auch hiergegen setzte der Gegner seine Angriffe fort, er hatte sich auch des Maas-Überganges bei Stenay bemächtigt, während östlich Verdun und weiter südlich in der Michel-Stellung nur unbedeutendere Kampfhandlungen sich abspielten. Immerhin kann das Kriegstagebuch der Heeresgruppe Gallwitz noch am 10. November melden: "Bei der Armee-Abteilung C griff der Gegner heute den ganzen Tag über an zahlreichen Stellen an" und kleinere deutsche Erfolge anmerken, die sich aber nur auf Kämpfe im Vorfelde beziehen. Außerdem ist dort der Zusatz: An Gefangenen sind eingebracht 1 Offizier, 45 Mann - ein Zeichen, daß die Deutschen, wenn auch nur beschränkt, doch immer noch angriffsfähig,also sicher noch widerstandsfähig waren. Die Bemerkung in demselben Kriegstagebuch: "Ein Geschwader von 11 Flugzeugen überflog das Armeegebiet und warf 3 Uhr nachmittags in Trier Bomben" läßt erkennen, daß bis zum Kriegsschluß die Franzosen von den ihrerseits begonnene Luftangriffen auf offene Städte weit hinter dem Kampfgebiet nicht abließen.

Auch westlich bei der 18. Armee hatten die Alliierten über die Oise-Niederung mit Oise-Sambre-Kanal sich vorgeschoben.


Der Kampf um die Siegfried-Stellung.

(Hierzu Skizzen 2 und 22 auf Beilage und 28, Seite 549.)

Die Angriffe der Alliierten gegen die Siegfried-Stellung Biache - St. Quentin - La Fère und den südlichen Anschluß bis zum rechten Flügel der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz, also die 17., 2., 18., 9. Armee, begann nach kleineren einleitenden Kämpfen am 27. September und setzte sich mit kaum unterbrochener Heftigkeit bis zum Ende des Monats fort. Die Gefechte verliefen in der gleichen Art wie während des ganzen hier betrachteten Zeitabschnittes. Der Gegner hatte sich schon am 24. September nach Kampf in Besitz des Geländes bei Pontruet, nördlich St. Quentin, gesetzt, und am 29. mußte der rechte Flügel der 18. Armee hinter St. Quentin zurückgenommen werden. Bei der sich schon seit den Augustkämpfen in einem gewissen Zustande der Schwäche befindlichen 2. Armee begann der Großkampf ebenfalls am 27. September mit einer nur kurzen, aber starken Feuervorbereitung. An diesem Tage konnten die feindlichen [577] Angriffe zwar noch im allgemeinen abgewiesen werden. Da aber die nördlich anschließende 17. Armee in der Gegend von Graincourt - Flesquières Geländeverluste erlitten hatte, nahm die 2. Armee den rechten Flügel schon an diesem Tage etwas zurück.

Die Engländer hatten nämlich beiderseits und namentlich nördlich Havrincourt stark angegriffen und ihre früheren Erfolge dort örtlich erweitern können. Die verfügbaren Reserven genügten nicht, um im Gegenstoß das verlorene Gelände wieder zu nehmen, deshalb mußte in eine rückwärtige Stellung zurückgegangen werden, um so mehr, als bei dem Durchbruch ein großer Teil der Artillerie verlorengegangen war. Am Abend verlief der linke Flügel der 17. Armee mit dem Generalkommando XVIII. und XIV. R. östlich Aubencheul - Westrand Cambrai - Crèvecour und nahm hier Anschluß an die 2. Armee, die von Crèvecour längs des Scheldekanals in der Richtung auf Le Catelet gehalten hatte.12

In den folgenden Tagen gingen die Kämpfe auf der ganzen Front der 17., 2., 18. und 9. Armee fort. Sie führten zu keinen größeren Entscheidungen, aber die Siegfried-Stellung war doch größtenteils durchbrochen und im Zusammenhang nicht mehr widerstandsfähig.

Die westlich und südwestlich von Lille stehende 6. deutsche Armee hatte, von kleineren örtlichen Kämpfen abgesehen, Ruhe gehabt. Es sollte sich bald zeigen, daß in dieser Gegend von den Alliierten keine Entscheidungen gesucht wurden. Größere Kämpfe hätten in das Industriezentrum Nordfrankreichs Lille - Tourcoing - Roubaix und zu dessen völliger Zerstörung geführt. Es war natürlich, daß deshalb hier die Gefechte einen mehr demonstrativen Charakter hatten.

Die Oberste Heeresleitung war sich Anfang Oktober des Ernstes der Lage, im besonderen vor der Heeresgruppe Böhn, voll bewußt. Bei dem Mangel an Reserven hielt sie es indessen für das einzig Mögliche, weiter abschnittsweise auszuweichen und den Boden schrittweise zu verteidigen, in der Erwartung, daß die Verluste des Feindes und die deutschen politischen Vorschläge die feindlichen Angriffe allmählich abschwächen würden. Die rückwärtige Hermann-Stellung war so gut wie gar nicht ausgebaut, es konnten deshalb durch ein freiwilliges Ausweichen dorthin die deutschen Kampfverhältnisse sich nicht verbessern. Vorschläge der Heeresgruppe Böhn, schon Anfang Oktober hinter die Antwerpen - Maas-Stellung auszuweichen, erschienen deshalb noch nicht annehmbar. Die geringe Beweglichkeit und große Ermüdung der Truppen, das Fehlen jeder vorbereiteten Stellung, der Verlust ungeheurer Vorräte des Heeres und des Landes, die sich nicht ersetzen ließen, konnten das Heer in eine unhaltbare Lage bringen. Es wurde angenommen, daß der Feind schnell folgen, mit starken Kräften in Lothringen aufmarschieren und dort einbrechen könnte. Den Entschluß zum Ausweichen wollte sich die Oberste Heeresleitung deshalb vorbehalten.

Rückzugskämpfe der Westfront 1918
[576a]    Rückzugskämpfe der Westfront 1918. Bayrische Infanterie erwartet bei Chauny französisches Vorgehen.

Rückzugskämpfe der Westfront 1918
[576a]      Rückzugskämpfe der Westfront 1918. Bayrische Kavallerie reitet zur Attacke an bei Chauny.

[578] Bei den Kämpfen Anfang Oktober traten aber weitere Geländeverluste ein. Namentlich bei der 18. Armee mußte die auf dem linken Flügel noch gehaltene Siegfried-Stellung aufgegeben werden, so daß am 12. Oktober die deutsche Linie von westlich Lille über Douai - Bouchain - Solesmes - Le Cateau - La Fère auf Laon sich hinzog. Die Heeresgruppe Böhn wurde am 8. Oktober wieder aufgelöst, die 2. Armee trat zur Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht, die 18. Armee zur Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Das Oberkommando der 9. Armee wurde demnächst herausgezogen, die Gruppen- (General-) Kommandos auf die 18. und 7. Armee verteilt.

Aber trotz dieser dauernden Rückzugsgefechte und der von den Gegnern regelmäßig mit starken Tank- und Fliegergeschwadern geführten Angriffe hatten sich in dieser Kampfperiode die Deutschen keineswegs auf eine passive Abwehr beschränkt. In andauernden Gegenstößen, vielfach mit guten örtlichen Erfolgen, wurde dem Gegner, man kann ohne Übertreibung sagen, jeder Fußbreit Bodens streitig gemacht. Fast täglich bezeichneten die Befehle höherer Dienststellen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, die sich in örtlichen Angriffskämpfen durch Tapferkeit und Geschick hervorgetan hatten. Bei der 2. Armee wurde mit großer Erbitterung bei Le Catelet gefochten, namentlich am 3. Oktober. An diesem Tage führten die Engländer frische, starke Truppen mit sehr viel Tanks und Jagdfliegern dort und südlich des Ortes in den Kampf. Es gelang ihnen auch, in Le Catelet festen Fuß zu fassen, südlich davon Gelände zu gewinnen, über Estrées auf Beaurevoir vorzustoßen und Montbréhain in Besitz zu nehmen. Aber weiterem Vordringen geboten die Gegenstöße halt. Es gelang, Le Catelet wieder zu nehmen und noch darüber hinaus die Engländer zurückzutreiben. Das Kriegstagebuch des Armee-Oberkommandos 2 nennt als die sich dabei besonders auszeichnenden Führer den Major Goder, den Rittmeister Frhr. v. Wangenheim und den Oberleutnant der Reserve Sleuner. Die Offiziere des Abteilungsstabes II/2. Garde-Feldartillerie-Regiment bedienten nach starken Mannschaftsverlusten die Geschütze. Weiter südlich erzielte das I. Bataillon Reserve-Infanterie-Regiment 87 unter dem Rittmeister Freyer Erfolge. Erneute feindliche Angriffe wurden sowohl bei Le Catelet wie südlich davon am Nachmittage noch abgewiesen. Erst am Abend erwies es sich als unvermeidlich, die Hauptwiderstandslinie hier wieder bis in die Gegend Westrand Beaurevoir - Montbréhain zurückzunehmen, nachdem es gelungen war, anreitende englische Kavallerie abzuweisen und stark zusammenzuschießen. Auch der 5. Oktober war noch ein besonders schwerer Kampftag für die 2. Armee gewesen. Es wurde eine Nachhutstellung in der Linie Beauvois - Montigny - Maretz - Bohain genommen, in der Nacht vom 8. zum 9. Oktober aber der Rückzug in die angegebene, zum Teil als Hermann-Stellung bezeichnete Linie fortgesetzt.

Gerade dieser zähe, andauernde Widerstand berechtigte zu der Hoffnung, daß der deutschen Armee es doch noch gelingen würde, in dem besetzten Belgien [579] dem Feinde endgültig Halt zu gebieten. Die Annahme war irrig, die Kampfkraft ging zurück, die Gefechte dauerten auf der ganzen Front weiter an.

Unter diesen sind diejenigen am 23. Oktober in der Gegend von Solesmes besonders erwähnenswert. An diesem Tage griffen die Engländer nördlich und südlich der Stadt mit starken Kräften an. Sie wurden auf 15 größtenteils frische oder aufgefüllte Divisionen geschätzt, und ein Tagebuch bemerkt dazu, daß dies seit dem starken Rückschlag am 8. August mit seinen gefährlichen Folgen der schwerste Kampftag gewesen sei. Angesichts der immer mehr schwindenden Kampfkraft der Divisionen machte das Armee-Oberkommando der 2. Armee sowohl die Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht wie die Oberste Heeresleitung am 24. Oktober darauf aufmerksam, daß die 2. Armee in ihrer letzten rückwärtigen Stellung in der Gegend des Mormal-Waldes angekommen sei, und fügte hinzu, daß mit Rücksicht auf den allgemeinen Zustand der Truppen die Verteidigung dieses großen Waldabschnittes ernste Bedenken errege. Das Armee-Oberkommando befürwortete deshalb baldigen allgemeinen Rückzug in die Antwerpen - Maas-Stellung. Gleichzeitig wurde eine Entscheidung über die Art der weiteren Verteidigung erbeten. Damit sollte wohl angedeutet werden, daß das Armee-Oberkommando zu einer erfolgreichen Fortsetzung des Widerstandes bei weiteren Großkämpfen das Vertrauen verloren hatte. Am Nachmittage traf aber auch für die 2. Armee der Befehl ein, das jetzige Kampfgebiet weiter zu halten und daß nur kämpfend, schrittweise zurückgegangen werden solle. Das Armee-Oberkommando sah sich aber doch schon veranlaßt, sein Hauptquartier von Maubeuge nach Thuin zurückzuverlegen.

Am 30. Oktober verlief die Stellung der 6., 17., 2. und 18. Armee in der Front Tournai - Valenciennes - Landrecis - Guise und in südlicher Richtung auf die Serre in der Gegend von Dercy - Crecy, wo der Anschluß an die 7. Armee von der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz gewonnen war (s. S. 574). Dem Gegner das Vordringen über die Oise-Niederung nördlich von La Fêre zu verwehren, konnte in Rücksicht auf die sich weiter nördlich abspielenden Gefechte nicht gelingen.

Die Kämpfe ließen an Heftigkeit an den folgenden Tagen nach, wesentliche Änderungen in der allgemeinen Frontlinie traten bis zum 4. November nicht ein.

Es sind noch die auf dem rechten Flügel der deutschen Front bei der 4. Armee in Flandern während dieser Zeit sich entwickelnden Kämpfe zu betrachten.


Die vollständig zerstörte Stadt Ypern in Flandern. 27. Juni 1918.
Die vollständig zerstörte Stadt Ypern in Flandern.
Aufnahme 27. Juni 1918.      [Vergrößern]

Aus: Der Weltkrieg in seiner
rauhen Wirklichkeit
, S. 54.

Gewaltige Trommelfeuerwirkung auf einem flandrischen Schlachtfeld um Ypern.
Gewaltige Trommelfeuerwirkung auf einem
flandrischen Schlachtfeld um Ypern.   [Vergrößern]

Aus: Der Weltkrieg in seiner
rauhen Wirklichkeit
, S. 55.

Zwischen Ruinen und wassergefüllten Granattrichtern des zerstörten Flanderns.
Zwischen Ruinen und wassergefüllten Granat-
trichtern des zerstörten Flanderns.   [Vergrößern]

Aus: Der Weltkrieg in seiner
rauhen Wirklichkeit
, S. 56.
Die Schlacht in Flandern und Nordbelgien.

(Hierzu Skizze 30, Seite 583.)

Am 28. September, 2 Uhr 30 Minuten vormittags, setzte plötzlich stärkstes Feuer aus allen bis zu den schwersten Kalibern von Land und See auf die Küste von Ostende nach Westen, wo sich die vom Marinekorps bedienten schweren Küstenbatterien befanden, ein. Es wurde die ganze Landfront des Marinekorps [580] und der 6. Kavallerie-Schützen-Division bis Frezenberg beschossen, auch Zeebrügge erhielt von See aus schweres Feuer. Gegen 5 Uhr vormittags schwoll die Beschießung beiderseits Dixmude und Frezenberg, östlich Ypern, zum Trommelfeuer an. Es dehnte sich südlich bis Wytschaete aus. Rückwärtige Orte, wie Roulers, Staden, Cortemark, erhielten schweres Flachfeuer. Alles deutete darauf hin, daß der erwartete Großangriff beginnen würde. Zur Abwehr standen dem Armee-Oberkommando 4 zur Verfügung in erster Linie das Generalkommando des Marinekorps mit 2 Marine- und 1 Landwehr-Division, das Generalkommando des Gardekorps mit 3 Divisionen, das Generalkommando X. Reservekorps mit 2 Divisionen, das Gardekorps des Garde-Reservekorps mit 2 Divisionen. Auch hier waren die Divisionen verschiedenster Herkunft unter bodenständigen Generalkommandos zusammengestellt. Hinter der Front befanden sich noch als Reserven des Armee-Oberkommandos, der Heeresgruppe und der Obersten Heeresleitung 8 bis 9 Divisionen. Das Armee-Oberkommando 4 hatte sich unter dem 14. September schon dahin ausgesprochen, daß die Armee einem etwaigen Großkampf in infanteristischer und artilleristischer Hinsicht weder nach Zahl noch Kampfwert ihrer Verbände gewachsen sein würde, daß auch die Wiedernahme von einzelnen dem Gegner in vorangegangenen Kämpfen verbliebenen Punkten wegen Mangel an Kräften nicht möglich gewesen wäre. Zahlreiche Divisionen waren durch die vorangegangenen und in anderen Gegenden stattgehabten Gefechte ruhebedürftig. Verschiedene Anzeichen für gegnerische Angriffsabsichten waren zwar erkannt, aber noch in einem am 27. abends entworfenen Berichte bezeichnete das Armee-Oberkommando die Lage als nicht geklärt.

Die Gegner hatten, soweit zuverlässige Nachrichten vorlagen, folgende Kräfte verfügbar: Die belgische Armee unter General Gillain von der Küste bis nördlich Ypern, die 2. und 5. englische Armee unter General Plumer mit einigen zugeteilten französischen Truppen bis nördlich Bethune; weiter südlich schloß sich die 1. englische Armee unter Horne an. Auf der Front zwischen der Küste und Armentières waren etwa 25 bis 28 feindliche Divisionen, größtenteils Belgier und Engländer, anzunehmen. Im Laufe der Kämpfe griff noch die 6. französische Armee, Degoutte, ein.

Der Infanterieangriff der Belgier und Engländer begann um 6 Uhr vormittags in einer Breite von 35 km auf der Front von Woumen bis östlich Wulverghem. Der Hauptstoß ging gegen die deutsche Front beiderseits des Houthulster Waldes und beiderseits der großen Straße Ypern - Menin. Zahlreiche Tanks begleiteten auch hier den Angriff oder trugen ihn vor.

Schon in den Mittagsstunden hatte der Angreifer nicht unerhebliche Fortschritte gemacht und am Abend die Linie Dixmude - die Höhen von Clerken, nördlich Houthulster Wald - Zonnebeke, nördlich Wytschaete besetzt.

In den Abendstunden erneuerte der Gegner seine Angriffe gegen Passchen- [581] dale und südlich nicht ohne kleinere Erfolge. Die Fliegertätigkeit war groß. Bombengeschwader griffen das rückwärtige deutsche Kampfgelände an, Jagdketten unterstützten den Erdkampf und versuchten, starke Luftsperren herzustellen.

Am Abend und in der Nacht wurden verschiedene in Reserve gehaltene deutsche Divisionen eingesetzt, was eine andere Einteilung der Gruppen- (General-) Kommandos bedingte.

Wie am 8. August 1918 der große Einbruch des Angreifers an der Römerstraße auf Fauconcourt schwerwiegende Folgen hatte, so wirkte hier der schnelle Verlust des Houthulster Waldes verhängnisvoll. Der Verlauf des Kampfes war auch hier typisch. Es stand dort die in zahlreichen Gefechten bestens bewährte 13. Reservedivision, allerdings in ihrem Mannschaftsbestande stark geschwächt, die Bataillone zu 3 Kompagnien gebildet, in einer Durchschnittsstärke von nur 70 Mann. Die 60 schweren und 100 leichten Maschinengewehre waren auf eine Front von 5 km verteilt, konnten aber nicht sämtlich besetzt werde, auch war ein Teil der Bedienungsmannschaften von dürftiger Ausbildung, im ganzen rund 2000 Mann Infanterie. An Artillerie verfügte die Division über 9 Feld- und 7 schwere Batterien. Eine ausgebaute Stellung, weder in mehreren Linien hintereinander, noch auch nur eine, war nicht vorhanden, sondern nur da und dort Anfänge von Schützengräben mit sehr dürftigen Drahthindernissen und einige betonierte Unterstände aus einer früheren Zeit. Das ganze Gefechtsfeld war von früheren hartnäckigen Kämpfen sehr stark zerschossen und verschlammt. Die Division hatte noch am Tage vor dem Großangriff befürwortet, in eine etwas rückwärts gelegene Bereitschaftsstellung zurückzugehen, die, leicht ansteigend, günstigere Verteidigungsverhältnisse gewährte, hatte damit aber wohl in Rücksicht auf die Anschlüsse im Norden und Süden nicht durchdringen können. Da außerdem in der Nacht vom 27. zum 28. eine andere Division in den Abschnitt eingeschoben wurde, war unmittelbar vor dem Angriff die ganze Front in Bewegung, was die geregelte Gefechtsführung sehr erschwerte und unmöglich machte, bis zum Morgen für die Regimentskommandeure Reserven bereitzustellen. Die gegnerische Artilleriewirkung war trotz starken Munitionsaufwandes nicht erheblich, dagegen begannen noch vor Tagesanbruch große Angriffe durch Fliegerschwärme auf alle Straßen und Ortschaften hinter der Front, so daß eine Eingreifdivision dadurch stark im Vormarsch verzögert wurde. Nach wenigen Minuten versagten alle Nachrichtenmittel.

Trotz aller dieser ungünstigen Umstände gelang es, nach Verlust der vorderen Linie in dem Höhengelände zwischen Clerksen und westlich Staden festen Fuß zu fassen und einen völligen Durchbruch der Front, der das rechts anschließende Marinekorps in eine gefährliche Lage gebracht hätte, abzuwenden.

Im Laufe der nächsten Tage setzten die Belgier, Engländer und Franzosen ihre Angriffe gegen die Front der 4. deutschen Armee fort. Waren die Erfolge [582] auch meist gering, so machten sie doch ein allmähliches Zurückweichen erforderlich. Daß nicht deutscherseits ein durchgreifender Entschluß zu einem größeren Absetzen vom Feinde gefaßt wurde, erklärt sich auch hier aus dem schon mehrfach angedeuteten Verlangen, bei Beginn von Waffenstillstandsverhandlungen möglichst viel vom feindlichen Gebiet in Besitz zu behalten.

In den ersten Oktobertagen erreichte die 4. Armee die allgemeine Linie Cortemark - Roulers - Werwicq. Hier entstand eine längere Kampfpause, die der Gegner zur Heranbringung von Verstärkungen, namentlich auch von zwei amerikanischen Divisionen, Nr. 37 und 91, benutzte. Sie wurden ein starker Faktor bei den weiteren Kämpfen zur Belebung des Angriffsgeistes der Alliierten. Trotz der drohenden weiteren Angriffe wurde aber an der Fortsetzung des Widerstandes in der eingenommenen Stellung festgehalten. Die am 9. Oktober der deutschen 4. Armee von der Heeresgruppe Rupprecht zugegangene Weisung besagte, im Sinne der erwähnten Direktion der Obersten Heeresleitung (s. S. 577), daß sich die Armee bis auf weiteres mit Rücksicht auf die politische Lage behaupten solle. Für den Fall eines Großkampfes würden ihr Verstärkungen zugeführt werden. Sollte aber ein Ausweichen nötig werden, so müsse auf ein sicheres, kampffähiges Zurückkommen in die Lys - Hermann-Stellung Bedacht genommen werden. Ferner wurde die Armee auf die Möglichkeit eines Durchmarsches englischer Streitkräfte durch Holland hingewiesen. Diese Weisungen waren zwar durch die große militärpolitische Lage geboten, die Befolgung aber einem Feinde gegenüber, der frisch zum Angriff einsetzte und nach einem Erfolge lebhaft nachdrängte, mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Besonders für die unteren Führer konnte nicht immer die Möglichkeit vorliegen, solchen Anordnungen gerecht zu werden. Um so mehr ist es anzuerkennen, daß die 4. Armee im ganzen ihre Aufgabe hat einigermaßen erfüllen können.

Inzwischen war die Räumung der von dem Marinekorps - 1. und 2. Marinedivision - seit fast 4 Jahren besetzt gehaltenen und mit schweren Geschützen bestückten Seefront Zeebrügge - Ostende - Nieuport eingeleitet worden. Es ist der Zweifel nicht von der Hand zu weisen, ob es sich empfahl, diese beiden aus bestem Menschenmaterial zusammengesetzten und durchaus kampfkräftigen Divisionen so lange an einem ausgesprochen sehr ruhigen Frontabschnitt zu belassen, anstatt sie, wenn auch nur vorübergehend, in Großkämpfen, vielleicht alternierend, mit der 3. Marinedivision zu verwenden. Die menschliche Spannkraft reicht doch nicht aus, um eine im Vergleich zu allen anderen Teilen der Westfront fast bedeutungslose Stellung ohne Schaden an moralischer Kraft zu verteidigen. Schon ein sehr kühner englischer Flottenvorstoß gegen Zeebrügge am 22./23. April 1918, um die deutsche U-Bootsbasis zu vernichten, hatte nur infolge nicht ganz ausreichender Aufmerksamkeit etwas Erfolg. Jahrelange, sich als überflüssig erweisende Spannung löst sich eben überall schließlich in eine gewisse [583] Gleichgültigkeit auf. Die Engländer zerstörten damals durch Sprengung eines U-Bootes Teile der Mole. Die Landung von einigen hundert Mann wurde im Kampf zwar vernichtet, doch gelang es, zwei mit Zement beladene Schiffe in der Hafeneinfahrt zu versenken, wodurch einige Unbequemlichkeiten bei der Ein- und Ausfahrt entstanden. Inwieweit ferner die mobile Flotte gerade die unbequemen Elemente, jedenfalls nicht die besten, in den "Schützengraben" abschob, mag dahingestellt bleiben. Es zeigte sich jedenfalls beim Kriegsende, daß das Marinekorps trotz aller Anstrengungen des an seiner Spitze stehenden tatkräftigen Admirals aus der Flandernfront in einer durch den Umsturz stärker gelockerten Form zurückging als die weit überwiegende Zahl der Verbände des Frontheeres. Die zu lange Belassung in dem "Capua" der Seefront hat dazu beigetragen.

Die Schlacht in Flandern und Nordbelgien

[583]
      Skizze 30: Die Schlacht in Flandern und Nordbelgien.

Mit der Räumung der flandrischen Seefront war die dortige U-Boot-Basis aufgegeben. Es ist natürlich und wurde auch so deutscherseits eingeschätzt, daß jetzt die Bedeutung des Vormarsches der belgisch-englisch-französischen Truppen auf Ostende - Zeebrügge zurücktrat gegen einen Durchbruch über Thorhout und Roulers. Ein Erfolg in dieser Richtung mußte sich auf die an der Seefront etwa [584] noch stehenden Kräfte auswirken. Die Weisung der Heeresgruppe Rupprecht, daß eine durch Holland gegen den rechten deutschen Flügel geführte Offensive möglich wäre, schien begründet. Zahlreiche Nachrichten besagten, daß die Engländer beabsichtigten, die deutsche Flandernfront durch eine Landung an der Küste, sei es in Seeisch-Flandern, sei es auf den holländischen Inseln Walcheren oder Beveland, von rückwärts anzugreifen, wenigstens die Verbindungen zu bedrohen oder in Unordnung zu bringen. Die Möglichkeit einer solchen Unternehmung war schon erwogen, als zu Beginn des Jahres 1917 der unbeschränkte U-Bootkrieg einsetzte und es ungewiß erschien, welche Haltung das neutrale Holland sogleich oder im Laufe der Ereignisse dazu nehmen würde. Ferner war unsicher, inwieweit die Alliierten, namentlich England, die Neutralität Hollands berücksichtigen oder mit ihm nach dem Vorgange in Griechenland verfahren würden. Wie sich dann Holland verhalten, ob es, der sanften Gewalt weichend, sich der Entente anschließen oder unter papiernen Protesten passiv bleiben, oder endlich auf die Seite der Zentralmächte treten würde, war vollends unklar. Holland hatte eine Art von Kriegsbereitschaft eintreten lassen. Waffenfähige Mannschaften hatte es genügend, man schätzte sie auf über eine Million. Die Artillerie war aber schwach, auch fehlte es an Maschinengewehren. Die Bestückung der Küstenbatterien war dürftig. Die verschiedenen Möglichkeiten des holländischen Verhaltens sind bei der deutschen Obersten Heeresleitung erwogen und zur Grundlage von Operationsentwürfen gemacht worden. Die Vorarbeiten nahmen den ungünstigsten Fall an, daß Holland, wenn auch nur dem Druck der Alliierten weichend, sich diesen anschließen würde. Allgemein ist zu betonen, daß die Niederlande zwar ihren neutralen Standpunkt streng gewahrt haben, doch in der Haltung der Offiziere, mit denen im Grenzverkehr mancherlei Verhandlungen nötig waren, Wohlwollen für die Deutschen zeigten und auch betätigten. Inwieweit die Bevölkerung, namentlich in den großen Handels- und Hafenorten mit den mannigfachen Verbindungen nach England, als deutschfreundlich zu bezeichnen ist, kann zweifelhaft erscheinen. Sicher wäre es der Regierung schwierig geworden, namentlich je mehr sich die militärische Lage zum Nachteil der Zentralmächte wandte, einem Durchmarschversuche von gelandeten Ententetruppen bewaffneten Widerstand entgegenzustellen und damit offen auf die Seite der Mittelmächte zu treten. Es war vielmehr auf das Gegenteil zu rechnen und darauf die Haltung und die Maßnahmen der Deutschen eingerichtet worden.

In diesem Falle sollte nach Holland ein deutscher Vormarsch in drei getrennten Gruppen erfolgen: aus dem Rheinland, aus der Gegend von Antwerpen und aus der Gegend von Gent nordwärts, um dem oder den Gegnern angriffsweise entgegenzutreten. So bedenklich es war, mit einem glücklichen Übergang von Terneuzen über die Westerschelde zu rechnen, der Versuch sollte gemacht werden. Im Herbst 1918 wären dazu aber sicher keine Kräfte verfügbar gewesen. Es ist bei theoretischen Betrachtungen über diesen Plan geblieben, weil [585] die Engländer die Schwierigkeiten einer Landung richtig einschätzten und von ihr absahen. Wahrscheinlich sollten die in dieser Hinsicht ausgestreuten Nachrichten nur irreführend wirken, zur Entsendung von Truppen veranlassen, die dann in der entscheidenden Kampffront fehlten. Trotzdem hatte aber das Armee-Oberkommando 4 Veranlassung, mit der Möglichkeit eines Landungsversuchs zu rechnen und brachte dies auch noch am 5. und 12. Oktober der Heeresgruppe Rupprecht gegenüber zum Ausdruck. Die Armee hielt sich schon am 12. Oktober feindlichen Großangriffen nicht gewachsen und betonte, daß sie nur kleineren Teilangriffen mit Aussicht auf Erfolg entgegentreten könne.

Nachdem sich während der Nacht des 13. zum 14. Oktober die Anzeichen für einen nahe bevorstehenden allgemeinen Angriff der Belgier, Engländer und Franzosen verdichtet hatten, setzte 6 Uhr 30 Minuten vormittags das Vorbereitungsfeuer dazu ein. Im nördlichen Teil der Stellung von der Küste bis Cortemark war die Beschießung nicht erheblich, um so stärker bis zum Trommelfeuer auf der übrigen Front bis Werwicq. Nach einigen Stunden folgte der Infanterieangriff, der auf der ganzen Front die Vortruppen überrannte; nur in der Gegend von Werwicq wurden die Alliierten abgewiesen. Am 15. Oktober ging der Kampf weiter. An manchen Stellen konnte der Angreifer abgewiesen, im Gegenstoß verlorenes Gelände wiedergewonnen werden, aber es erwies sich doch als nötig, und die Heeresgruppe Rupprecht befahl demgemäß, in der Nacht zum 16. Oktober die Mitte der Armee in eine vorher vorbereitete Stellung östlich Thorhout - Roulers und weiter südlich bis Menin zurückzunehmen und am 17. Oktober bei starkem Drängen des namentlich durch seine ausgiebige Verwendung mit Tanks übermächtigen Gegners den Rückzug in die als Brügge - Thielt-Stellung bezeichnete Linie fortzusetzen. Sie lief teilweise hinter dem Blankenberghe-Kanal - Westrand Brügge - Westrand Thielt in der Richtung auf Courtrai. Auf dem Nordflügel trat das Marinekorps den Rückzug auf Gent an.

Schwierig war bei dieser notwendigen Rückwärtsschwenkung, die taktisch nur gelingen konnte, weil der Gegner auf dem bedrohten linken deutschen Flügel immer wieder in seinen Vorstößen hartnäckigen Widerstand fand, der Abschub des massenhaften wertvollen Kriegsgeräts aller Art und der Verpflegung. Die Bedürfnisse in dieser Hinsicht waren nicht nur für das Landheer, sondern namentlich für die Marine bedeutend gewesen. Obgleich der Wasserweg auf dem Brügge-Gent-Kanal mitbenutzt wurde, mußte vieles liegenbleiben, ist dem Gegner in die Hände gefallen, zerstört oder gestohlen worden. Außerdem war es nötig, in Antwerpen noch alles auf die Bahn zu verladen, was bei der allgemein schwierigen Transportlage, die sich Ende Oktober und Anfang November noch verschärfte, bald als ganz undurchführbar erwies. Mitte Oktober ist auf diesem Gebiete noch viel geleistet worden, weshalb der Oberbefehlshaber der 4. Armee auch der Etappen-Inspektion 4 seine Anerkennung auszusprechen Anlaß nahm.

Die 6. Armee konnte sich, ohne vom Gegner scharf gedrängt zu werden, der [586] Rückwärtsbewegung nur anschließen. Am 15. Oktober abends lief ihre Front von Menin über Lille in Richtung auf Douai. Sie hatte auch auf dem weiteren Rückzuge die Aufgabe, Verbindungsglied zwischen der 4. und 17. Armee zu bilden, und war dementsprechend erheblich schwächer - am 14. Oktober 8 Divisionen in 3 Generalkommandos - als die anderen Armeen.

Schon am 17. Oktober fühlten die Alliierten gegen die deutsche Stellung vor. Im Norden verblieben noch deutsche Nachhuten zwischen Zeebrügge und Brügge wenig vom Angreifer belästigt, stärker war der Druck zwischen Thielt und der Lys. Am 19. Oktober machte er sich auf dem linken Artillerieflügel bei Courtrai und nördlich empfindlich geltend, wo es dem Gegner gelang, die Stadt zu besetzen, bei Beweren den Fluß zu überschreiten und sich auf dem Ostufer einzunisten.

Für die Nacht zum 20. Oktober wurde deshalb der schrittweise Rückzug in die Gent - Hermann-Stellung von Gent hinter die Schelde über Audenarde - Tournai befohlen. Dort schlossen sich die Fronten der 6., 17. und 2. Armee über Condé - Solesmes - Le Cateau auf Guise und südwestlich Marle an. Das Absetzen vom Gegner vollzog sich bei der 4. Armee langsam, von ihm kaum belästigt, namentlich auf dem rechten Flügel und in der Mitte, auf dem linken Flügel drängte er etwas lebhafter, fand aber in dem gewellten Gelände zwischen Lys und Schelde überall noch entschlossenen Widerstand. Es verging kein Tag, an dem nicht von den Deutschen gefangene Belgier, Engländer oder Franzosen eingebracht werden konnten.

Erst am 31. Oktober hatten die Alliierten ihre Angriffsvorbereitungen so weit gefördert, daß sie an diesem Tage morgens mit starkem Feuer den Kampf ernstlich fortsetzen konnten. Zwischen Gent und Denyze wurden die Vorstöße abgewiesen, östlich und südlich Denyze hatten sie mehr Erfolg, die deutschen Stellungen wurden hier mehrfach durchbrochen, weshalb an diesem und den nächsten Tagen der Rückzug in die Gent - Hermann-Stellung fortgesetzt wurde. Das Marinekorps verblieb auch jetzt noch westlich Gent. Das Armee-Oberkommando erachtete diese Stellung für gut verteidigungsfähig, rechnete zwar mit Fortsetzung der gegnerischen Angriffe, nachdem die einige Zeit in Anspruch nehmenden Vorbereitungen getroffen sein würden, glaubte aber trotz der in den letzten Kämpfen verminderten Stärke auch mit den zur Verfügung stehenden Kräften diese Stellung längere Zeit halten zu können.

Am 4. November besuchte der Kaiser noch einmal einen größeren Teil der Divisionen der 4. Armee und ließ ihnen seinen Dank für das heldenhafte Ausharren in den schweren Kämpfen der vergangenen Wochen aussprechen. In dem Armeebefehl, der dies bekanntgab, hieß es noch am Schluß: "Seine Majestät weiß sich eins mit Seinem Heere und ist gewiß, daß dasselbe in guten wie in bösen Zeiten geschlossen hinter Ihm stehen wird, um einen gerechten Frieden für unser Vaterland zu erkämpfen."

[587] In den folgenden Tagen wurde der westliche Teil von Gent durch die Deutschen geräumt, in der Mitte der Front der 4. Armee verliefen die Angriffe der Alliierten erfolglos, dagegen mußte Audenarde aufgegeben werden, und der Gegner konnte sich an den von den Deutschen besetzten Abschnitt der Zwalm (halbwegs zwischen der Schelde und der Dender) heranschieben. Auf dem linken, vom Gegner am stärksten bedrängten Flügel hatte es 10 Tage erfordert, um von Audenarde bis zur Zwalm, das sind 10 km, Gelände zu gewinnen. Ein sichtbares Zeichen für die allgemeine Erschöpfung und ein Beweis, wie der Angriffsgeist in den Reihen der Alliierten zurückgegangen war.

In Gent zogen am 10. November abends die Belgier mit Musik und Gesang ein; Versuche, sich den Schelde-Brücken zu nähern, wurden abgewiesen.

Durch die in den vorstehend geschilderten Kämpfen entstandenen Verluste war das innere Gefüge der Truppen auf das tiefste erschüttert. Welche besonderen Umstände dabei mitgewirkt haben, wird im Zusammenhange (s. S. 609 ff.) zu betrachten sein. Die Abgänge waren so groß, daß weitere 12 Divisionen (s. S. 558) aufgelöst werden mußten. Neben der daraus hervorgehenden Abnahme der Kampfkraft machte sich aber allgemein ein großes Bedürfnis nach Ruhe bemerkbar. Die Nachrichten über Einleitung von Waffenstillstandsverhandlungen förderten bei den besten Elementen wohl die Entschlossenheit zum Durchhalten, bei schwächeren Naturen regten sie aber stark den Selbsterhaltungstrieb an. - Bei den vielen Verschiebungen der Truppen, dem immer wieder notwendigen Einsatz, ehe sie wieder gekräftigt waren, konnte Erholung unmöglich eintreten. Was jetzt noch vorhanden, in den Bataillonen meist von einer Stärke zu 300 bis 400 Gewehren, auch weniger, war eine Schar von Kriegern, in allen Stürmen erprobt. Man kann sie durchweg Freiwillige nennen, denn die Möglichkeit, sich den Gefahren und Entbehrungen zu entziehen, hatte ein jeder vielfach gehabt.

In einem Schreiben der Obersten Heeresleitung vom 18. Oktober an die Armeen erläuterte der Feldmarschall v. Hindenburg seine Auffassung der militärpolitischen Lage nach den ihm zugegangenen und für zutreffend gehaltenen Mitteilungen, daß im Innern die Einheitsfront aller Parteien mit Ausnahme der Unabhängigen Sozialdemokratie und der Polen im Reichstage gesichert wäre. Dagegen hätte sich ein starker Gegensatz zwischen dem Präsidenten Wilson und dem Marschall Foch entwickelt. Wilson wolle einen Rechtsfrieden der Versöhnung und Verständigung, Foch dagegen eine völlige Demütigung Deutschlands. Jede Festigung der deutschen Front und der deutschen diplomatischen Haltung stärke die Stellung Wilsons, jedes Zeichen militärischer und politischer Schwäche stärke Foch. - Es wurde demnächst klar, daß bei der diplomatischen Hilflosigkeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten, bei seiner theoretisierenden, nur durch [588] Phrasen verdeckten Weltfremdheit, wenn man den Verdacht grober Heuchelei zurückstellen will, sein Einfluß auf die weiteren Ereignisse in demselben Maße bedeutungslos wurde, wie die Tätigkeit der amerikanischen Truppen für die Entscheidung des Krieges zugunsten der Alliierten maßgebend gewesen ist.

Neben diesen aus der allgemeinen Lage hervorgehenden Ansichten gab es noch andere, die es als möglich erscheinen ließen, die Gegner würden von einem allmählichen Zurückdrängen der Deutschen unter andauernden Kämpfen Abstand nehmen. Es war nämlich bekanntgeworden, daß der belgische Gesandte in Paris am 12. Oktober beantragt hätte, von weiteren Großkämpfen abzusehen, weil dadurch notwendigerweise der davon betroffene Teil seines Landes völliger Zerstörung anheimfallen würde.

Zur Berichterstattung über die Lage an der Front wurden zwei Armeeführer, die Generale v. Gallwitz und v. Mudra, Ende Oktober nach Berlin berufen. General v. Gallwitz als Führer der hart bedrängten Truppen beiderseits der Maas, der General v. Mudra als Führer der 17. Armee, die seit Mitte des Monats August in fast ununterbrochenem Kampfe gestanden hatte, waren also vor allem befähigt, über die Widerstandskraft der besonders mitgenommenen Verbände ein Urteil abzugeben. Sie haben am 27. Oktober abends dem Kaiser über die großen Verluste, die andauernden Kämpfe, die Zunahme der Drückebergerei, die Schädlichkeit der sozialistischen Propaganda berichtet, daß aber trotzdem vortreffliche Elemente in großer Zahl vorhanden wären und gehalten werden können, dies auch weiter möglich, wenn schon auf einen vollen Sieg nicht mehr zu rechnen sei. Deshalb sei baldiger Rückzug in die Antwerpen - Maas-Stellung nötig. Wenn sie auch nicht ausgebaut wäre, gewähre sie doch manche natürliche Vorteile. Die Truppen könnten hinter ihr die notwendige Ruhe finden. Beide Generale haben Seiner Majestät empfohlen, wieder mehr hervorzutreten, als es in der letzten Zeit geschehen. Ein Aufruf an das Volk müsse dem damaligen Regierungssystem entsprechend von Kaiser und Regierung gemeinschaftlich ausgehen behufs sicherer Einwirkung auf die linksstehenden Kreise. Der Kaiser hat den Vorschlägen zugestimmt, die Generale angewiesen, dem Kriegskabinett Aufschluß zu geben und die vorgeschlagenen Maßnahmen zu begründen.

Bei der am 28. Oktober stattfindenden Sitzung des Kabinetts, an welcher der Reichskanzler, Prinz Max von Baden, wegen Unpäßlichkeit nicht teilnahm, die deshalb der Vizekanzler v. Payer leitete, schien sich Einigkeit über die Notwendigkeit des Durchhaltens zu entwickeln. Meinungsverschiedenheiten machten sich nur über den Umfang und die Art der Mittel geltend. Als aber gegen 1 Uhr mittags der Staatssekretär des Auswärtigen Solf erschien und ein Telegramm vorlas, nach welchem Österreich-Ungarn um einen Separatfrieden bei der Entente gebeten hätte, bemächtigte sich der Stimmung der Beratenden eine starke Depression. Die Sitzung endete mit dem beklagenswerten Entschluß, zunächst die [589] Antwort Wilsons auf die letzte deutsche Note abzuwarten, und falls tödliche oder entehrende Bedingungen gestellt werden sollte, einen großen Appell an das Volk zu richten.

Die Generale sind sich nicht im Zweifel gewesen, daß die "timide" Richtung bei den Beratungen die Oberhand gewinnen würde, obgleich noch versucht ist, dem Staatssekretär Solf klarzumachen, daß in Rücksicht auf die noch in Rußland vorhandenen Truppen und die Größe der Entfernung der Abfall Österreichs sich nicht sehr schnell in gefährlichem Sinne geltend machen könne. - Der Gedanke, daß der Gegner unter allen Umständen die Vernichtung Deutschlands anstrebte und nur durch Aufbietung aller militärischer Machtmittel davon abzuhalten war, scheint sich keine Geltung verschafft zu haben. Der Staatssekretär Gröber hat die Meinung vertreten, Deutschland würde durch Fortsetzung des Widerstandes die Bedingungen der Gegner nur noch schärfer gestalten, was General v. Gallwitz mit der treffenden Bemerkung zurückwies: "Sie werden die allerübelsten Bedingungen erfahren."13

Der allgemeine Befehl zum Rückzuge in die Antwerpen - Maas-Stellung wurde am 5. November 12 Uhr 40 Minuten nachts gegeben. Wie die früheren Schilderungen erkennen lassen, vollzog er sich auf großen Teilen der Kampffront ohne größere Gefechte. Es entstand an zahlreichen Stellen bald zwischen den kämpfenden Parteien ein Abstand von Tagemarsch-Entfernung. Die Angreifer waren fast allgemein an der Grenze ihrer Kraft. Nur an der Maas drängten die Amerikaner noch heftig, als der Waffenstillstand am 11. November dem großen Völkerringen mit den Waffen ein Ende machte.

Unter den mannigfachen Verleumdungen, denen die Waffenehre des deutschen Heeres während des ganzen Krieges seitens der alliierten und assoziierten Regierungen ausgesetzt war, sind auch die in dem hier betrachteten Kriegsabschnitt angeblich begangenen, aus reiner Bosheit und Zerstörungswut vorgenommenen Verwüstungen während des Rückzuges zu erwähnen. - Das Gegenteil hiervon ist die Wahrheit, wie urkundlich zu beweisen ist.14

Schon am 30. September, als mit der Möglichkeit eines weiteren Rückzuges gerechnet werden mußte, erließ die Oberste Heeresleitung allgemeine Grundsätze für die Räumung aufzugebender französischer und belgischer Gebietsteile. Die zahlreichen, hinter der Front während der vergangenen vier Jahre entstandenen Betriebe mit den großen Vorräten an Verpflegung und Kriegsmaterial wurden hinter die Linie Antwerpen - Namur - Sedan zurückgenommen. Es sollte aber nur [590] das unbedingt Wichtige abbefördert werden. Was nicht zurückgeschafft werden könnte und dem Feinde von Nutzen wäre, müßte zerstört werden. Häuser sollten bis auf weiteren Befehl geschont werden, soweit nicht rein militärische Gründe es anders bedingten. Eine planmäßige Verwüstung wurde verboten. Dementsprechend ist im Laufe des Monats Oktober von den Armeen und den nachgeordneten Dienststellen, vielfach auch von der Obersten Heeresleitung erneut befohlen worden. Es liegen auch mehrere Berichte von einer das Rückzugsgebiet bereisenden neutralen Kommission, und zwar von dem spanischen Gesandten in Brüssel, Marquis v. Villalobar, und des holländischen Gesandten Van Vollenhoven vor, die jede absichtliche Verwüstung durch die Deutschen in Abrede stellen. Ferner haben verschiedene Bürgermeister sich in gleichem Sinne schriftlich geäußert. Dagegen ist erwiesen, daß die Alliierten selbst oft weit hinter der Front gelegene Städte, wie Cambrai, Douai, Valenciennes, Denain, Le Quenois, Vouziers, schon frühzeitig und planmäßig durch Fernfeuer stark beschädigt haben. Ganz besonders schonend sind die Deutschen mit Lille verfahren;15 vielfach hat sich später erwiesen, daß damit zu weit gegangen, dem Gegner schnelles Folgen erleichtert worden ist. - Wenn in Einzelfällen trotz aller Befehle Mißgriffe oder Ungehörigkeiten vorgekommen sind, so kann es sich nur um solche handeln, die sich im Kriege niemals ganz vermeiden lassen.


8 [1/568]Siehe Skizze 28 zu Arras - Montdidier, Seite 549. ...zurück...

9 [1/569]Siehe auch Karte von Belgien und Nordfrankreich in Band 1. Die Schreibweise einzelner, namentlich flandrischer Orte, ist auf den verschiedenen Karten wechselnd. ...zurück...

10 [1/570]v. Kuhl, Der Weltkrieg im Urteil unserer Feinde. ...zurück...

11 [1/571]Als Karte wird auf die den ersten Bänden des Landkrieges beigegebenen Beilagen verwiesen. [Scriptorium merkt an: Listen der Beilagen zu Band 1 und Band 2.] ...zurück...

12 [1/577]Im Verlauf der Kämpfe wurden die Grenzen der einzelnen Armeen verschoben. ...zurück...

13 [1/589]Erklärung der Generale v. Gallwitz und v. Mudra, "Die militärische Lage Ende Oktober 1918." Neue Preußische (Kreuz-)Zeitung vom 28. November 1922, Morgenausgabe Nr. 533. ...zurück...

14 [2/589]Otto v. Stülpnagel, Die Zerstörung Nordfrankreichs und Belgiens, "Wer hat zerstört?" Süddeutsche Monatshefte, Dezember 1922; derselbe: "Zerstörte Bergwerke," Augustheft 1923. ...zurück...

15 [1/590]Dr. jur. et rer. pol. Herms, Lille vergewaltigt? ...zurück...


Der Weltkampf um Ehre und Recht.
Die Erforschung des Krieges in seiner wahren Begebenheit,
auf amtlichen Urkunden und Akten beruhend.
Hg. von Exzellenz Generalleutnant Max Schwarte