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Nr. 8:
Erklärung des britischen Vertreters Eden in
der Generalkommission der Konferenz für die Herabsetzung und
Begrenzung der Rüstungen, 27. Mai 1933
(Auszug)
Herr Eden (Vereinigtes Königreich) antwortet auf einige während der
Diskussion vorgebrachte Bemerkungen. Zunächst wendet er sich einem
Punkt von, wie er sagt, verhältnismäßig zweitrangiger
Bedeutung zu: der einschränkenden Bestimmung des Artikels 34. Er
sei nicht überrascht, so erklärt er, daß diese
Ausnahmebestimmung Kritik hervorgerufen habe. Wäre er selber in der
Lage der Redner, die diese Kritik vorbrachten, so hätte er sich in der
gleichen Weise geäußert. Für den Augenblick wolle er sich
hinsichtlich dieses Punktes damit begnügen, der Generalkommission den
Grund dieses Vorbehaltes in voller Aufrichtigkeit zu erklären. Die
Delegation des Vereinigten Königreiches bedauere ebenso wie jeder der
Delegierten, die daran Kritik geübt hätten, daß man diese
Bestimmung in den Entwurf habe aufnehmen müssen; aber im Grunde sei
der Tatbestand, der in ihr zum Ausdruck komme, für niemand ein
Geheimnis und den Völkerbundsmitgliedern nicht erst seit heute bekannt.
Diese Art von Polizeiaktionen sei bereits in Gebieten unter
Völkerbundmandat vorgenommen worden, und zwar, soweit er unterrichtet
sei, ohne jemals irgendeinen Protest hervorgerufen zu haben. Deswegen wolle er
sich in dieser Sitzung bemühen, nicht etwa das genannte Verfahren
in abstracto zu verteidigen, sondern seinen Vorschlag, es in dem
Konventionsentwurf beizubehalten, rechtfertigen.
Es gebe auf der Welt gewisse Gebiete, wo die Ausübung der Polizeigewalt
auf Schwierigkeiten stoße, wie sie sonst nirgendwo anzutreffen seien,
nämlich unzugängliche Gebirgsgegenden mit spärlicher
Bevölkerung, wo wilde, bewaffnete Gebirgsstämme manchmal in
übertriebener Weise dazu neigten, die Ruhe ihrer Nachbarn zu
stören. Sorge man in diesen Gebieten nicht mit Hilfe der genannten
Methode für die Aufrechterhaltung der Ordnung, so bleibe nichts anderes
übrig, als Truppen des Heeres dafür zu verwenden, was die
Notwendigkeit mit sich bringe, dort starke Streitkräfte zu unterhalten, um
die Ordnung in normalen Zeiten zu gewährleisten, und dies könne,
wenn es gelte, die Ordnung wiederherzustellen, zu hohen Verlusten führen,
die nicht durch die Kämpfe selbst, sondern durch das Klima und andere
Umstände verschuldet würden. Kurz gesagt, sei die Frage folgende:
Wie lasse sich die Polizeigewalt in diesen Gebieten ausüben, in Anbetracht
des Umstandes, daß die Entsendung eines Expeditionskorps Verluste an
Menschen und Schädigungen der Gesundheit zur Folge habe. Die Methode
des Luftbombardements sei häufig angewandt worden, wie diejenigen
wüßten, die sich mit der Frage beschäftigt hätten...
Er glaube zu wissen, daß die Regierung des Irak der Ansicht sei, man
könne augenblicklich nicht auf das Recht verzichten, Luftoperationen im
Irak durchzuführen, und die Regierung des Vereinigten Königreiches
teile diesen Standpunkt auf Grund der Erfahrung, die sie auf diesem Gebiet
besitze.
Der Redner geht daraufhin zu einer, wie er erklärt, umfassenderen und
wichtigeren Seite des Luftfahrt-Kapitels über. Seiner Ansicht nach habe
[29] man vollkommen recht,
wenn man sage, daß keine Seite der Abrüstung die Einbildungskraft
der Bevölkerung unmittelbarer aufrühre. Dies komme vielleicht
daher, daß die Luftgefahr in der Vergangenheit nichts gegenüber dem
bedeutet habe, was sie in der Zukunft sein werde. Es sei leider kein Jules Verne
nötig, um einen furchtbaren Krieg zu beschreiben, in dem der wenigst
exponierte Ort vielleicht der Schützengraben der ersten Frontlinie und der
gefährdetste die Wohnstätten der Zivilbevölkerung
wären...
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