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Vollmau

Bericht Nr. 351
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Raubüberfall auf ein Böhmerwalddorf
Berichter: B. Zeisel, gew. Pfarrverweser von Vollmau Bericht vom 6. 3. 1946

Lage von VollmauEs war am 13. Mai 1945, Sonntag. Die deutsche Bevölkerung von Vollmau rüstete sich zum Kirchgang.

An diesem Tage brachen trotz des Waffenstillstandes und trotz des gutnachbarlichen Verhältnisses der Deutschen zu den Tschechen uniformierte und bewaffnete tschechische Horden ins Dorf, mordeten, plünderten und vertrieben die friedfertige, waffenlose deutsche Bevölkerung aus ihrem Heimatorte ins Ungewisse. Meistenfalls waren es alte Leute, Frauen und Kinder, denn die jungen Männer waren alle eingerückt oder in der Kriegsgefangenschaft.

Der Jammer wurde voll, als die amerikanische Grenzwache sie nicht über die bayerische Grenze ließ. In ihr Dorf durften sie nicht, über die Grenze ließ man sie nicht. So lagen sie, beraubt von allem, ohne Nahrung auf der Grenzwiese und niemand wußte, was nun mit ihnen geschehen sollte. Die Kinder hungerten, doch das ausgestandene Grauen verschloß ihnen den Mund; sie verlangten nicht nach Brot. Eine alte Frau verstarb vor aller Augen infolge der ausgestandenen Strapazen auf der Wiese. Andere fielen in Ohnmacht. Hochschwangere Mütter mußten eilends ins Krankenhaus nach Furth gebracht werden, denn es bestand Gefahr einer Notgeburt. Die ersten Opfer waren die gegen 70 Jahre alten Eheleute J. und A. So fand J. M., Vater von fünf unversorgten Kindern, und seine Frau den Tod. Sie wurden vor den Augen der Kinder niedergeschossen. Die Großmutter der Kinder erhielt einen Schenkelschuß. Die Kinder erzählten selbst den Mord. Erschossen wurde weiter F. K.; K. S., der sich im ersten Schrecken mit einer Hacke verteidigen wollte, wurde mit derselben Hacke niedergemacht. Mit zerspaltenem Schädel fand ihn seine Frau tot auf. Ein Flüchtling aus Heidelberg wurde im Bett erschossen

Ein Augenzeuge erzählte mir, daß sechs Flüchtlinge unterwegs vom Böhmisch Kubitzen nach Bayern waren. Sie wurden bei Vollmau von der Horde eingeholt und niedergemacht. Er konnte sich durch Flucht in eine Scheune retten. Der Kriminalpolizist Dr. Sladký sprach später von 47 Toten, welche an diesem Tag in Vollmau erschossen wurden. Später wurde St. W., ein Mädchen von 16 Jahren, von den Tschechen niedergeschossen.. Alle Opfer, ausgenommen die letzten, wurden am Tatort begraben.

Nachdem die Einwohnerschaft vertrieben war, begann die Plünderung. Am ersten Tage des Überfalls wurden die Kästen und Schreine aufgerissen, ihr Inhalt auf den Fußboden geworfen und davon genommen, was einem jeden gefiel. Später nahmen die Tschechen Kleidung, Lebensmittel, Vieh, landwirtschaftliche Geräte, Einrichtung, kurz, alles was von Wert war, mit. Diese Ausplünderung von Vollmau geschah, bevor die tschechische Regierung die Enteignung des deutschen Vermögens beschlossen hatte. Der Raubüberfall erfolgte am 13., 14. und 15. Mai 1945. Am 25. Mai wurde durch Dekret des Präsidenten der Republik der Gesetzentwurf der csl. Regierung vom 19. 5. 1945 über die Überführung privaten, öffentlichen, beweglichen und unbeweglichen Vermögens der Deutschen, Ungarn und Verräter in die Nationalverwaltung herausgegeben.

Nach Tagen sagte der tschechische Bevollmächtigte der Prager Regierung, Cihák: "Man wisse bisher nicht, wer den Raubüberfall angeordnet und warum er geschah."

Hunderte von Vollmauern können dies durch heiligen Schwur beeiden.



 

Vorderheuraffel
(bei Kaplitz)


Bericht Nr. 352
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Mißhandlungen im Internierungslager
Berichter: Franz Moherndl Bericht vom 2. 11. 1946

Lage von Vorderheuraffel und KaplitzIch war die letzten 7 Monate während des Krieges Bürgermeister Stellvertreter in Vorderheuraffel, Kreis Kaplitz. Deshalb wurde ich am 3. 9. 1945 verhaftet und 14 Monate ohne jeden Grund im Internierungslager Kaplitz festgehalten. Ein Verhör im Oktober 1945 hatte meine völlige Schuldlosigkeit ergeben. Im Lager sind die schwersten Mißhandlungen vorgekommen. Einem gewissen Josef Schuster aus Friedberg wurde die Hand abgeschlagen, einem Eduard Prischl aus Deutsch-Reichenau wurden drei Rippen eingetreten. Ein Rudolf Wagner aus Vorderheuraffel wurde dreimal vor mir so geschlagen, daß er ohnmächtig am Boden liegen blieb. Ich selbst wurde auch mehrmals so geschlagen, daß ich bis zur Unkenntlichkeit verschwollen war. Diese Mißhandlungen waren besonders bis zu Weihnachten so schwer und so häufig, daß sogar die Russen einschritten, um diese Unmenschlichkeiten abzustellen. Die systematischen Mißhandlungen sind daraufhin unterblieben, aber gelegentliche Mißhandlungen kamen bis zu meiner Entlassung im Oktober d. J. vor. Die Internierten waren völlig der Willkür der Posten ausgesetzt. Ein Beschwerderecht gab es für Deutsche nicht. Es hat auch kein Deutscher die Möglichkeit gehabt, sich gegen eine Beschuldigung zu verteidigen. Ich wurde aus dem Internierungslager direkt ins Aussiedlungslager entlassen und habe mein Haus nicht mehr betreten dürfen.



 

Waldau


Bericht Nr. 353
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Ermordung eines deutschen Kriegsinvaliden
Berichter: Josef Sonnberger Bericht vom 2. 11. 1946

Lage von WaldauAm 19. 7. v. J. wurde mein Sohn, 21 Jahre, nach 16 Verwundungen mit amputiertem Arm schwer kriegsinvalid, gegen 21.30 Uhr in der Nähe der Häuser von Waldau angeschossen. Er ist wenige Stunden darauf verblutet. Mein Sohn war infolge seiner Verwundungen arbeitsunfähig und hütete das Vieh. Am jenem Abend hatte ich ihn zum Nachbarn geschickt, der ungefähr 500 Schritt von meinem Hause entfernt wohnte. Als Täter kommen 2 tschechische Soldaten in Betracht, die um diese Zeit auf der Jagd gewesen waren und sich auch nach der Tat durch ihr aufgeregtes Benehmen verrieten. Es waren 2 Schüsse gefallen und die Soldaten gaben auch zu, daß sie 2 Schüsse abgefeuert hatten. Außer einer Protokollaufnahme erfolgte von Seiten der Gendarmerie nichts. Es wurde keine Untersuchung eingeleitet.



 

Wallern


Bericht Nr. 354
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Mißhandlung
Berichter: Emil Havlik Bericht vom 19. 7. 1946

Lage von WallernIm letzten Jahr wurden in Wallern und Umgebung täglich Deutsche von Tschechen im öffentlichen Dienst bei Einvernahmen mißhandelt. Sie wurden mit Peitschen oder mit Gummiknüppeln geschlagen und auch oft mit Füßen getreten. Es wurden wilde Hausdurchsuchungen vorgenommen und dabei willkürlich geplündert. Ein Beschwerderecht hat es für Deutsche nicht gegeben. Die Deutschen waren durch die unerträgliche Behandlung seitens der Behörden auch so eingeschüchtert, daß sie eine Beschwerde gar nicht gewagt hätten. In den meisten Fällen ist Kommentar den Deutschen ein Arbeitslohn überhaupt nicht oder nur teilweise ausgezahlt worden. Bei den Waldarbeitern wurde immer nur ein Teil des Lohnes, ungefähr 65% des zustehenden Lohnes ausgezahlt. Eine Abrechnung oder Ausgleichszahlung ist nicht erfolgt.

Die Verständigung zur Austreibung erfolgte in den meisten Fällen während die Leute auf ihrem Arbeitsplatz waren, sodaß in vielen Fällen in den ein oder höchsten zwei Stunden, die den Aussiedlern zum Packen zur Verfügung standen, kaum das notwendigste Gepäck zusammengebracht werden konnte. Viele Leute hatten nicht einmal Zeit, sich noch für die Reise die ihnen auf ihre Karten zustehenden Lebensmittel zu kaufen.

Ich kann für meine Aussage jederzeit weitere Zeugen beibringen.



 

Warnsdorf


Bericht Nr. 355
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Mißhandlung eines Blinden
Berichter: Otto Müller Bericht vom 20. 6. 1950

Lage von WarnsdorfIch war Soldat. 1942 wurde ich vollkommen blind aus dem Wehrdienst entlassen. In meiner Heimatstadt war ich wohlbekannt und geachtet. Im November 1945 kam eine Gruppe bewaffneter SNB-Leute, um mich aus dem Büro der Fa. Joh. Liebisch & Co., Warnsdorf wegzuholen. Das "Warum" hat man mir nie gesagt.

Nach stundenlangem Warten in einer Schreibstube nahm man ein Protokoll auf. Man beschimpfte mich und man legte mir zur Last, ich hätte im Jahre 1938 einem Warnsdorfer Tschechen mit einem Stock gedroht, was erdichtet war. Nur während des Krieges ging ich eine Zeit, auf Grund einer Beinverletzung mit einem Stock. Dies war stadtbekannt. Nach dieser Amtshandlung wurde ich in "Obhut" der Schergen der SNB übergeben, die mich wie einen Schwerverbrecher behandelten. Sie haben sich ihr Mütchen an mir in folgender Weise gekühlt. Nachdem mir meine Taschen ausgeräumt und die Schnürsenkel, Leibriemen etc. weggenommen wurden, stieß man mich auf ein Feldbett. Dann warf man eine Decke über mich und unter dem Gejohle der Anwesenden hat man mit Stöcken, Riemen und dergleichen auf mich eingeschlagen, bis ich bewußtlos von der Pritsche auf den Fußboden herabfiel und dort liegen blieb. Nach einiger Zeit erlangte ich die Besinnung wieder. Ich hörte das brutale Lachen und merkte, daß man mich besudelte. Mit Aufwand all meiner Kraft suchte ich mein Gesicht zu schützen und auf den Beinen zu stehen.

Da zeigte sich plötzlich einer der Wachleute freundlich. Er bot mir eine Zigarette an, ich meinte, daß ich nicht rauche. Daraufhin sollte ich ein Bonbon annehmen. Ich schlug dies ab. Dafür erhielt ich neuerlich einen Boxhieb ins Gesicht, der mich zu Boden warf. Nach einer Zeit nahmen mich zwei Polizisten. Sie führten mich zu einer kurzen Treppe, die in dem Keller des Hauses war. Es war in der einstigen Kunert-Villa, die mir von früher bekannt war. Die Stufen wurde ich hinabgestoßen und mit Mühe mußte ich mich erfangen haben, denn wie durch ein Wunder habe ich keine Knochenbrüche davongetragen. In einem Kellerraum, auf der Erde liegend, erlangte ich das Bewußtsein. Ich tastete die Wände ab, fand aber keinerlei Sitzgelegenheit vor. Lediglich 2 kleine Konservenbüchsen. Diese waren für die Verrichtung der Notdurft. Der Raum wurde durch drei Tage und Nächte hindurch nicht geöffnet. Draußen herrschte große Kälte und ich habe durch sie, aber auch unter furchtbarem Durst und Hunger gelitten.

Als man die Riegel und die Schlösser zur Kellertür öffnete, war ich vollkommen erschöpft. Man restaurierte meine Kleidung und dann gab man mir eine trockene Semmel, die ich trotz des Hungers nicht hinunterschlucken konnte. Ich quälte mich eine Weile und da man keine Zeit hatte, brachte man Kaffee, der übermäßig süß schmeckte. Dann brachte man mich zu einem Arzt, der mir einige Male versicherte, daß die Tschechen nicht solche Sadisten wie die Hitlerleute seien und daß man mich daher auf Grund meines Zustandes aus dem Keller herausnehmen werde. Dies sei allerdings eine Ausnahme.

Dann schleppte man mich wiederum in die Schreibstuben der SNB in der einstigen Villa des Zahntechnikers Jungnickel. Wieder schrieb man ein Protokoll, welches nichts besagte. Meine Hände zitterten derart, daß ich nicht unterschreiben konnte. Lesen konnte ich ohnedies nicht, was auf dem Papiere stand.

Die Zelle im Bezirksgericht zu Warnsdorf, in welche man mich steckte, war überfüllt. Ich war mit Tschechen, Galgenvögeln par excellence, beisammen. Hier handelte es sich durchwegs um Verbrecher. In der Zelle befand sich auch ein Deutscher. Während der Zeit im Bezirksgericht hatte ich mehrfach Kollapse als Folge der Vorbehandlung durch die SNB. Hier waren selbstverständlich nur die tschechischen Schergen die einzigen Augenzeugen. Der Warnsdorfer Arzt Dr. Leupelt hatte mich Mitte Januar untersucht, als ich entlassen war. Obwohl ich es verschwieg, stellte der Arzt nach so langer Zeit an meinem Körper Markierungen fest. Als Erläuterung gab ich an, daß es sich um Narben handle, die vom Kratzen entstanden seien, zumal viel Ungeziefer in der Zelle war.

Als man mich Mitte Jänner 1946 "vorübergehend", wie man sagte, freiließ, war dem Gefangenenwärter viel daran gelegen, aus meinem Munde zu hören, daß ich sanft behandelt wurde. Nie werde ich die Schreie der Verprügelten vergessen. Auch Dr. Weber in unmittelbarer Nähe zählte zu den Opfern.



 

Bericht Nr. 356

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Blutbad im Kriegsgefangenenlager, Juni-Juli 1945
Berichter: Adam Ehrenhard Bericht vom 24. 6. 1946 (Warnsdorf und Nachod)

Lage von WarnsdorfIch wurde am 12. 6. 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen und begab mich mit amerikanischem Grenzübertrittschein in die Tschechoslowakei, um meine Familie aufzusuchen. Beim Grenzübertritt haben mir die tschechischen Grenzorgane sämtliche Lebensmittel, die ich bei der Entlassung für die Reise bekommen hatte, sowie das Entlassungsgeld, Decken und Mantel abgenommen. In Warnsdorf wurde ich trotz meiner Entlassungspapiere verhaftet und in das Kriegsgefangenenlager eingeliefert. Dort war ich vom 24. 7. 1945 bis 28. 5. 1946. Dort befanden sich gegen 2000 deutsche Kriegsgefangene, meistens Reichsangehörige, trotzdem sie schon früher aus amerikanischer oder russischer Kriegsgefangenschaft entlassen wurden. Sie lebten unter schlechtesten Verhältnissen, waren alle unterernährt und werden ohne Lohn zur Grubenarbeit verwendet.

Etwa 200 SS-Angehörige wurden in das Bräuhaus in Nachod gebracht und der Zivilbevölkerung zur Mißhandlung ausgeliefert. Ich war selbst Augenzeuge, wie sämtliche 200 Mann von der Zivilbevölkerung auf die grausamste Weise ermordet wurden. Tschechische Frauen, darunter Frau Zinke, Nachod, Komenského 233, die sich wiederholt gerühmt hat, sie würde noch mehr umbringen, wenn sie könnte, haben sich dabei besonders hervorgetan. Viele andere tschechische Frauen kenne ich persönlich, wenn ich auch ihren Namen nicht angeben kann. Die SS-Leute wurden von den Frauen mit Messern und Dolchen erstochen, mit Knüppeln und Gewehrkolben erschlagen. Körper, die noch Leben zeigten, wurden mit Benzin übergossen und verbrannt. Ich selbst half mit, die Leichen auf Autos zu verladen und sie in 3 Massengräbern in Nachod im Schloß zu begraben.

Die Kriegsgefangenen wurden täglich verprügelt, Kieferbrüche, Messerstiche haben mehrere erhalten. Einigen wurde auch ein Auge ausgeschlagen. Am 8. 5. 1946 wurden am Marktplatz in Nachod um 5 Uhr nachmittags bei alliierter Beflaggung alle Deutschen von der Zivilbevölkerung schwer mißhandelt.

Die Deutschen wurden ungefähr 500 m weit durch eine Staffel der tschechischen Zivilbevölkerung einzeln durchgejagt und Männer, Frauen und Kinder mit Stöcken geschlagen. Wenn sie fielen, wurden sie mit Füssen getreten. Durch Lautsprecher wurden die Deutschen namentlich zur Mißhandlung aufgerufen. Die tschechische Polizei war ebenfalls Zeuge dieses Schauspiels. Ein Mann, 54 Jahre alt, erlitt dabei einen Kieferbruch, einen Knöchelbruch und verlor das rechte Auge.



 

Weidenau


Bericht Nr. 357
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Mißhandlungen einer alten Frau
Berichterin: Josefine Titz Bericht vom 9. 10. 1946

Lage von WeidenauIm März 1946 wurde von tschechischen Gendarmen eine Hausdurchsuchung in meiner Wohnung vorgenommen. Dabei wurde ich 69-jährige Frau ohne jeden Grund geohrfeigt, so daß ich bewußtlos zu Boden fiel. Dann stieß mich ein Gendarm mit den Füßen, bis ich wieder zu mir kam und mich erhob. Seitdem höre ich auf dem linken Ohr nichts mehr.



 

Bericht Nr. 358

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Einschränkung der seelsorgerischen Tätigkeit,
Lager Jauernig, Lager Adelsdorf, Tote

Berichter: Dr. Adolf Schreiber Bericht vom 9. 10. 1946 (Weidenau)

Lage von WeidenauAls Pfarrer von Weidenau bin ich von den Tschechen persönlich nicht belästigt worden, doch wurde ich in der seelsorgerischen Tätigkeit eingeschränkt. Jeder Unterricht für Deutsche war verboten, auch der Religionsunterricht an Kinder und ebenso die sogenannten Seelsorgestunden. Tschechische Geistliche waren bis Anfang September d. J. nicht in Weidenau tätig. Deutscher Gottesdienst einschließlich Predigt war gestattet, doch durften Prozessionen nicht gehalten werden. Deutsche Begräbnisse wurden in Weidenau zugelassen, waren aber andernorts, wie auch Gottesdienste und Predigten, verboten. In Schwarzwasser z. B. waren deutsche Predigten, Abholbegräbnisse, Abdanken am Grabe usw. verboten. In Weidenau selbst ist kein Internierungslager gewesen, doch waren Weidenauer Pfarrkinder in den Lagern Jauernig und Adelsdorf interniert, wo auch vier umkamen. Die Verständigung des Pfarramtes geschah erst 4-5 Monate später ohne Angabe des Sterbeortes, der Todesursache und des Begräbnisortes. Jugendliche waren in größerer Zahl in den Ostrauer Kohlengruben zur Arbeit eingesetzt, wo auch Todesfälle an Typhus vorgekommen sind. Diese haben wirklich eine schwere Leidenszeit durchmachen müssen.



 

Vietseifen
(Lager, Gemeinde Thomasdorf)
[Korrektur: im Original heißt es fälschlicherweise "Weidsiefen"]


Bericht Nr. 359
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Lager Weidsiefen [richtig: Vietseifen], Mißhandlungen
Berichter: Hans Tautz Bericht vom 15. 8. 1946

Lage von ThomasdorfAm 19. Juni 1945 wurde ich verhaftet und am 24. 6. mit 48 Kameraden in das Lager Weidsiefen [richtig: Vietseifen] gebracht. Ich wurde dort Zeuge vieler schwerer Mißhandlungen, die sich täglich wiederholten. Am 8. 7. wurde Kuchartsch aus Zuckmantel schwer mißhandelt und von dort nach Mährisch Ostrau zur Zwangsarbeit verschickt; am 9. 7. der Holzhändler Raschke aus Thomasdorf so mißhandelt, daß er sich in der Nacht erhängte. Am 3. 8. lag der Ortsbauernführer Böhm aus Oberlindewiese tot auf seinem Lager, nachdem er am Abend bewußtlos geschlagen worden war. Am 26. 7. entwich Vater aus Hermannstadt, nachdem er 2 Tage vorher schwer mißhandelt worden war, von seiner Arbeitsstelle. Dafür wurden seine 10 Arbeitskameraden schwer mißhandelt, sodaß einige ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Am 29. 7. 1945 wurden 18 Häftlinge von der Arbeitsstelle ins Lager geholt und furchtbar verprügelt, bevor sie ins Aussiedlungslager überführt wurden. Am 14. 8. erlag Dr. Pavlowski seinen schweren Verletzungen, die er durch Mißhandlungen erlitten hatte. Am 15. 8. wurde behauptet, daß in der Nacht das Lager überfallen worden sei und es wurden sechs Kameraden, Dr. Franke, Seifert, Klimesch, Hanke, Buchmann und Reinhold, erschossen. Am gleichen Tage wurde das Lager Weidsiefen aufgelöst und nach Adelsdorf verlegt. Dort wurden die Mißhandlungen fortgesetzt. Am 16. 8. wurde Schiebel aus Niklasdorf so schwer mißhandelt, daß er in der Nacht starb. Am 17. 8. erhielt der Holzhändler Schubert einen Schlag ins Gesicht, fiel um und starb eine halbe Stunde später. Am gleichen Tage wurde der 15-jährige Knoblich aus Würbenthal schwer mißhandelt, am nächsten Morgen war er tot. Ich selbst sah zwei Schußwunden im Hals. Am 21. 8. übernahm die Gendarmerie das Lager. Hierauf kamen Mißhandlungen nur vereinzelt vor. Die Verpflegung wurde besser und ärztliche Betreuung setzte ein.


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Dokumente zur Austreibung der Sudetendeutschen
Überlebende kommen zu Wort